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ZENTRUM
ZUKUNFT DER ARBEIT

Arbeit neu und anders denken

Verwissenschaftlichung der Produktion, Digitalisierung der Prozesssteuerung und Miniaturisierung der Produktionsmittel sind die wichtigsten Faktoren für anhaltend hohe Produktivitätssteigerung. Eine gute Grundlage für Arbeitszeitverkürzung und eine andere Verteilung der Arbeit auf die Beschäftigten. Der Anteil an vollautomatischer Güterproduktion wird weiter zunehmen. Industrielle Produktion wird immer weniger Menschen Arbeit geben. Nach Meinung von Fachleuten ermöglicht es der hohe technische Entwicklungsgrad gleichzeitig, zu neuen Formen der Selbstversorgung zurückzukehren. Freie Zeit und Energie für die Übernahme gemeinschaftlicher Arbeit oder für eine stärkere Selbstverwirklichung nutzen, lautet ein weiterer Ansatz. Konzepte wie New Work (Frithjof Bergmann), Bürgerarbeit (Ulrich Beck), Mischarbeit (Eckhard Hildebrandt) oder Nachhaltige Ökologische und regionale Wirtschaft (DGB/Hans-Böckler-Stiftung u.a.) stehen für Ansätze einer anderen Verteilung von Arbeit und Existenzsicherung auf neuer Grundlage.

Die Realisierung dieser Ansätze findet derzeit eher in gesellschaftlichen Nischen statt. Vor allem geben Metropolen wie Berlin, Hamburg oder Köln solchen Initiativen Raum und gelegentlich auch Mittel, neue Formen des Arbeitens und Wohnens zu entwickeln. Aber auch der ländliche Raum scheint kooperative Arbeits- und Lebenszusammenhänge zu ermöglichen. Oft bilden solche Ansätze ein Umfeld gerade für Personen, die z.B. keine Ausbildung haben, psychisch oder körperlich beeinträchtigt sind, sich bestimmten Arbeitstakt- und Leistungszwängen nicht anpassen können, um im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu arbeiten. Die enge Verflechtung von Leben und Arbeiten begünstigt in der Regel auch Menschen mit geringen Einkünften eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Zu diesen neueren Ansätzen gehören auch Häuser der Eigenarbeit. In solchen Einrichtungen können Menschen unter Anleitung Montagen und Reparaturen durchführen. Kompetenzen und Potentiale, die gerade durch die weit verbreitete Praxis der Frühverrentung aber auch durch Arbeitslosigkeit brach liegen, erhalten hier ein neues Wirkungsfeld. Kooperationen mit dem gewerblichen Handwerk sind erforderlich, z.B. um aufwändige und sicherheitsrelevante Arbeiten auszuführen.

Was heute noch eine exotische Randerscheinung ist, kann schon bald die Regel sein.

Von der Ausnahme zur Regel

Immer weniger handelt es sich bei den dargestellten Phänomenen und Lebensweisen um exotische Arbeitsformen am Rande der Gesellschaft. Immer mehr Menschen benötigen für ihre Arbeit nicht mehr als ihr Wissen, ihre Erfahrungen sowie funktionierende kollegiale und technische Netzwerke. Der zunehmende Anteil an Dienstleistungen für Personen oder Technik macht mobiles Arbeiten möglich, teilweise nötig.

Zunehmend möchten die Menschen ihre Arbeits- und Lebenszeit anders aufeinander beziehen: Blockarbeitszeiten mit teilweise hohen Wochenstundenvolumen dienen zum Ansparen von langen Freizeitphasen. Junge Frauen und Männer wollen zunächst viel arbeiten, um später eine Familienphase zu leben, in der sie viel Zeit für ihre Kinder haben.

Gegenwärtig ist Arbeitszeit und Einkommen direkt aneinander gekoppelt. Es zeichnet sich jedoch bereits ab, dass wir andere Systeme der Zeit- und Einkommensverteilung brauchen. Die Bemessungsgrundlagen für Urlaub und Freizeit, Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherungsansprüche müssen sich auf andere Größen beziehen als den Monatslohn, Dauer und Kontinuität von Beitragsleistungen.

Das Zentrum Zukunft der Arbeit will Personen und Betriebe ermutigen und unterstützen, die andere Formen der Verteilung von Arbeit erproben, neue Modelle der Arbeitszeitgestaltung anwenden oder auch Formen der Beteiligung von Beschäftigten an Unternehmen einführen möchten. Dazu liegen erste Erfahrungen in Nordrhein-Westfalen vor. Zusammen mit den Beschäftigten und den Sozialpartnern lassen sich jedoch noch weitere moderne und den heutigen Bedürfnissen entsprechende Gestaltungen der Arbeitswelt entwickeln.

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